Heinold, Spiller & Partner

Forum Innovation / Frankfurter Buchmesse 2009

Das aktuelle Interview

Innovationen beim E-Publishing und Content Management

Interview mit Ehrhardt F. Heinold, Geschäftsführer von Heinold, Spiller & Partner und Leiter des Forum Innovation


Wie beurteilen Sie den Stand der Dinge beim E-Publishing in den Verlagen?

Die Entwicklung seit der Buchmesse 2008 hat gezeigt, welche Dynamik der Electronic Publishing-Markt mittlerweile besitzt. Nicht nur der Hype um die Themen E-Book und Web 2.0 bringt eine ganz neue Dynamik in den Medienmarkt. Viele Verlage fragen sich: Ist mein bisheriges Geschäftsmodell noch zukunftsfähig? Dabei ist die Lage der Verlage ganz unterschiedlich: Einige investieren schon seit Jahren in eine mehrmdielae Aufbereitung und Archivierung ihrer Inhalte und in das Internetpublishing, andere fangen jetzt erst an. Dabei stellen auch diejenigen, die sich schon länger mit diesem Thema befassen, fest: Content Management ist kein primär technisches Problem. Oft wurde die Datenstrukturierung der EDV überlassen, oder einfach einem Dienstleister aus der Druckvorstufe übertragen. Die so erzielten Ergebnisse sind aber keineswegs das, was unter einem zukunftssicheren Contentmanagement verstanden werden kann.


Warum nicht?

Weil Inhalte nach inhaltlichen und medialen, und nicht nach (druck)technischen Kriterien aufbereitet und dann mit Mehrwerten wie Metadaten und Multimediaelementen angereichert werden müssen. Und das ist zunächst eine Aufgabe für Lektoren bzw. Redakteure. Außerdem muss bei der Datenstrukturierung von Beginn an der zukünftige Verwendungszweck einbezogen werden – und da sind wir dann beim Geschäftsmodell, also der eigentlichen Verlagsstrategie.


Welche Trends sind 2009 erkennbar?

Das Internet entwickelt sich immer mehr zum Leitmedium in vielen Zielgruppen - "Online first" lautet das Motto. Allerdings müssen die Geschäftsmodelle dafür noch weiter entwickelt werden. Die spannende Frage lautet: Wie lassen sich bisherige Erlös- und Renditestrukturen in die mehrmediale Welkt transferieren? Welche redaktionellen Inhalte können zukünftig nur noch werbefinanziert publiziert werden, für welche wird in welcher Form bezahlt werden?.

Und natürlich: Cross Media Publishing wird Standard! Immer mehr Verlage, auch aus dem Publikumsmarkt, erkennen das enorme Rationalisierungspotential von Content und Media Asset Management. Und zwar nicht nur bei Internetprojekten, sondern vor allem im Printbereich. Schon für die effektive Herstellung von Werbematerial kann sich Content Management lohnen: Ein Verlag ist so in der Lage, schnell und kostensparend aus einer Datensubstanz unterschiedliche Werbemittel auf unterschiedlichen Ausgabekanälen zu publizieren. Auf der anderen Seite sind Verlage momentan sehr zurückhaltend, was Investitionen betrifft. Ein großes Content-Management-Projekt fasst zur Zeit leider kaum jemand an. Notwendige Innovationen werden vertagt. Im Technikbereich ist nach wie vor die wachsende Bedeutung von XML und den dazugehörigen Standards zu beobachten. Immer mehr wird erkannt, welches Potential diese weltweit standardisierte Technologie bietet.


Was empfehlen Sie Verlagen, die ihren Content-Workflow optomieren wollen?

Eine Umstellung auf modernes Cross Media Management ist ein längerer Prozess, der erhebliche Ressourcen erfordert. Dies sollte vor allem der Geschäftsführung bewusst sein. Ein solches Projekt will also wohlüberlegt sein und mit langen Atem begonnen werden. Wichtig neben finanziellen und personellen Ressourcen ist Know-how, dass bei den beteiligten Mitarbeitern aufgebaut werden muss. Denn da es hierbei um die Kernprozesse eines Verlages geht, sollte keine Abhängigkeit von Dienstleistern entstehen.


Warum sollen Verlage das Forum Innovation besuchen?

Weil sie hier an Fallbeispielen innovative Umsetzungsszenarien sehen können. Sie erhalten zudem einen Überblick über den aktuellen Stand und lernen gleichzeitig unterschiedliche Dienstleister kennen. Bei fast 40 Veranstaltungen ist für fast jede Fragestellung etwas Interessantes dabei.

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